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Wenn dein Teller zu voll ist, nimm was runter




Ein Artikel darüber, wie du Wege aus dem täglichen Hustle finden und entschleunigen kannst. Wie du Minimalismus jenseits von Kleiderschrank und Einrichtung leben kannst. Und zwar in Bezug auf das Wertvollste, was du hast: Deine Lebenszeit.


Neulich kam es bei mir zu einem gesundheitlichen Einbruch. Von einem Moment auf den anderen wurde ich aus meinem Alltag und dem „Funktionieren“ geschleudert und plötzlich ging nichts mehr, weder in der Arbeit noch im Familienleben. Ich war erschrocken und erstaunt. In der neugewonnenen Ruhephase stellte ich aber auch bald fest: So ganz überraschend kam diese gesundheitliche Krise nicht. Ich hatte meinen Teil dazu beigetragen.

Ich habe nämlich festgestellt, dass hinter meinem „superduper Funktionieren“ als berufstätige Frau und Mutter, die zudem hochsensibel ist, seit langem etwas vor sich hin waberte und sich immer stärker aufbaute: Latenter Dauerstress.

Es war so weit gekommen, dass ich meine wunderbaren Kinder - in all ihrer Liebenswürdigkeit - kaum mehr wahrnahm. Nicht meinen Partner. Und auch nicht meine eigenen Bedürfnisse. Im Rückblick habe ich noch im Ohr, wie ich einer Freundin eine Audionachricht aufspreche: „Eigentlich kann ich nicht mehr, aber ich mache trotzdem weiter.“

Rumms - So nicht! Sagte das Leben.

Jetzt galt es, gangbare Wege aus dem täglichen Hustle zu finden. Ich wollte herausfinden, was da schiefgelaufen war. Und Verantwortung für meine Situation übernehmen. Ich stellte mir die Frage: „Was kann ich ab jetzt anders machen?“ Ein Blick in mein Bücherregal war erhellend.


Wenn alles zu viel ist, hast du diese Möglichkeiten


Einen wertvollen Ansatz bot mir die amerikanische Minimalistin Courtney Carver in ihrem Buch soulful simplicity. Vorweg zur Autorin: Nach einer MS-Diagnose erkannte Courtney, dass ihr Lebensstil sie schädigte. Wollte sie nicht immer schlimmere Krankheitsschübe erleben, blieb ihr nur eines: Stress konsequent zu reduzieren. Ihre Erfahrung formuliert sie so:

Wenn dein Teller buchstäblich voll ist, hast du drei Handlungsmöglichkeiten („When your plate ist full, you have three choices“, Courtney Carver: soulful simplicity, S. 132).


  1. Kümmer dich um alles, was auf deinem Teller ist, beschwer dich darüber, wie unglaublich busy du bist. Lade dir immer mehr auf, bis zum Zusammenbruch oder Burnout. Oder bewältige alles und brich dann zusammen.

  2. Nimm etwas von deinem Teller und schaffe so Raum für etwas Bedeutsameres.

  3. Erkenne, dass dein Teller voll ist und nimm nichts Neues dazu, so dass du genießen und dich um das kümmern kannst, was jetzt da ist.


Und, was sagst du dazu? Ich finde es sehr freundlich von Courtney, dass sie, augenzwinkernd und ehrlich, auch die ungünstigste der drei Möglichkeiten samt potentieller Konsequenzen klar darstellt. Nämlich, dass der Zusammenbruch droht, wenn wir uns dauerhaft überlasten.

Wow! Das sitzt. Sie demaskiert damit in wenigen Sätzen eine weit verbreitete Haltung, dass Überlastung „cool“ und in der Arbeitswelt normal sei. Für sie ist klar: Das ist kein „tougher“ Lebensstil für anpackende, engagierte Menschen in der Arbeitswelt, sondern schlicht Selbstausbeutung.

Ich gehe da mit Courtney und habe mir vorgenommen, nun immer wieder abzugleichen: Wo stehe ich grade? Geht es (noch) in die richtige Richtung?

Im Laufe des vergangenen Jahres habe ich mit Courtneys drittem Ansatz gearbeitet. So strich ich immer wieder Dinge, die sich still und heimlich auf meinen Teller geschlichen hatten. Vielleicht vergleichbar mit dem regelmäßigen Ausmisten des Kleiderschranks, nahm ich auch meine Verpflichtungen immer wieder unter die Lupe. Damit fuhr ich eine ganze Weile gut.


Was darf gehen?

Doch nun musste ich einsehen, dass dieser Ansatz nicht mehr ausreichte. Das kann verschiedene Gründe haben, etwa veränderte Bedürfnisse (z.B. das Bedürfnis nach mehr Erholungszeit wegen einer Erkrankung), veränderte Anforderungen im Job (z.B. ein zusätzliches Projekt) oder in der Familie (auch Kinder sind je nach Lebensphase unterschiedlich stark beanspruchend).

Bei mir war es eine Mischung aus allem. Dazu habe ich den Eindruck, dass auch diese Jahre der Krise damit zu tun haben. Der Klimawandel, die Coronazeit, der Ukraine-Krieg, die Energiekrise. Viele Menschen in meinem Umfeld – und ich schließe mich selbst mit ein – berichten, dass sie heute deutlich mehr Erholungszeit brauchen, um zu regenerieren als noch vor ein paar Jahren. Wie ist das bei dir und bei deinen Freunden?

Kurzum, für mich war an diesem Punkt eines vollkommen klar: Jetzt ist es an der Zeit für Ansatz Nummer zwei. Es gilt, tatsächlich „Dinge vom Teller zu nehmen“. Das möchte ich auf mehreren Ebenen umsetzen: Einerseits die Vielzahl an Tagesaufgaben zu reduzieren und konsequent Pausen zu planen und einzuhalten. Andererseits - und dieser Punkt ist besonders wichtig, da er mich ziemlich auf Trab hält - die hohen Ansprüche herunterzufahren, die ich an mich selbst stelle.


Mein Aktionsplan: Runter vom Teller!

  • Ich habe eine spannende Fortbildung um ein Jahr verschoben. Der Zeitpunkt war einfach nicht der richtige. Diese Entscheidung war so entlastend und hat mir Kapazitäten verschafft, die ich nun für mein Wohlbefinden einsetze.

  • Ich bemühe mich, eine Haushaltshilfe zu finden, die uns als Familie im Haushalt hier und da Aufgaben abnimmt.

  • Ich reflektiere meine verinnerlichten Ansprüche an mich selbst. Wie erwähnt, bin ich hier auf mächtige Antreiber gestoßen. Diese möchte ich mir genauer anschauen und einen anderen Umgang damit finden. Sei mit dabei – in meinem nächsten Blogartikel.

Davon bitte mehr:

  • Ich integriere mehr Pausen in meinen Tag. Die Tasse Tee in Stille. Den kleinen Spaziergang nach getaner Arbeit. Die zehn Minuten Musik auf meinen Ohren, bevor ich meinen Sohn von der Schule abhole.

  • Das Smartphone darf öfter in der Ecke liegenbleiben.

Die Veränderung ist bereits in vollem Gange. Und das Wichtigste: Das Tempo gebe ich selbst vor.

Wohltuende Entschleunigung

Endlich lebe ich wieder mehr in meinem eigenen Rhythmus. Klar, das ist nicht immer möglich, etwa in der Rolle als Elternteil oder im Arbeitskontext, wo es weiterhin oft unaufschiebbare Aufgaben zu erledigen gibt. Doch in allen Lebensbereichen, in denen ich es einrichten kann, lebe ich nun in einem Rhythmus, der deutlich langsamer ist, als das, was in unserer heutigen Leistungsgesellschaft en vogue ist.

Es tut gut, mich selbst wieder mehr wahrzunehmen. Für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Und Tätigkeiten zu kultivieren, die mir Kraft geben.

Hast auch du den Eindruck, dass du in deinem vollgepackten Alltag zu kurz kommst? Gerne begleite und unterstütze ich dich dabei, einen kritischen Blick auf deinen „Teller“ zu werfen, und gemeinsam sinnvoll und nachhaltig auszusortieren. Ich freue mich über deine Kontaktaufnahme für ein Coaching!

Deine Gracia

Von Selbstbeschenkt

Integrales Coaching & Training



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